Organspende

Überlebt - dank Spenderorgan

Miriam Maertens: Auf den Körper hören

Buchcover Miriam Maertens: Verschieben wir es auf morgen

Eine Lungentransplantation? Für Miriam Maertens lange Zeit unvorstellbar. Zu endgültig wäre diese Entscheidung. Sie schiebt sie immer wieder weg – bis es nicht mehr anders geht.

Miriam Maertens hat Mukoviszidose. Eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die unter anderem dazu führt, dass zäher Schleim die Atemwege verstopft. Als die Krankheit bei der damals Einjährigen diagnostiziert wird, schätzen die Ärzte ihre Lebenserwartung auf fünf Jahre. Doch die Eltern tun alles für die Gesundheit ihrer Tochter. In der Hoffnung, dass sie vielleicht doch länger lebt. Und Miriam selbst möchte nie „die Kranke“ sein. Sie mag das Mitleid und die Fragen nach ihrem Gesundheitszustand nicht. Das tägliche Abklopfen ist ihr vor den anderen Kindern unangenehm – deshalb verheimlicht sie es. Und lebt so normal wie möglich, anstatt den Rat der Ärzte zu befolgen und sich zu schonen. Heute weiß sie: Sie hat instinktiv genau das Richtige getan. Denn die Aktivität tut ihrer Lunge gut.

Als Miriam elf Jahre alt ist, liest ihre Mutter von einer neuartigen speziellen Mukoviszidose-Therapie, die zwei Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital entwickelt haben. Die Eltern fahren mit ihrer Tochter nach München. Und tatsächlich bessert sich durch die Behandlung bei Karsten Harms und Rosemarie Bertele ihr Zustand. Mit 16 Jahren beginnt sie eine Schauspielausbildung – trotz der schlechten Luft, die auf Theaterbühnen herrscht. Doch sie möchte es unbedingt. Und verschweigt auch hier ihre Krankheit: Sie inhaliert heimlich in der Garderobe – vor dem Auftritt und in den Pausen. Und: Sie bekommt ein Kind. Entgegen jedem ärztlichen Rat.

Irgendwann aber macht ihr Körper nicht mehr mit. Sie bekommt keine Luft mehr, ist ständig auf Sauerstoff angewiesen. Erst jetzt ist sie bereit, sich auf die Warteliste für ein Spenderorgan setzen zu lassen. Heute hat sie eine Spenderlunge, fühlt sich gesund und ist Mitglied des Ensembles am Schauspielhaus Zürich. Ihr Buch „Verschieben wir es auf morgen“ soll Mut machen. Miriam Maertens Botschaft: „Es ist wichtig, auf sich selbst, auf seinen Körper zu hören und die Signale wahrzunehmen.“

Chantal Bausch: Es kann jeden treffen

Chantal Bausch

Chantal Bausch ist zwölf Jahre alt, als sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen ändert: Das sportliche Mädchen bekommt beim Treppensteigen keine Luft mehr. Ihre Mutter bringt sie noch am gleichen Tag zum Kardiologen. Und rettet damit ihr Leben. Denn Chantal ist an einer Herzmuskel-entzündung erkrankt, ihr Herz ist irreparabel geschädigt. Nach neun Monaten in der Klinik steht fest: Nur eine Transplantation kann ihr helfen.

Ein Kunstherz, das sie wie einen Einkaufstrolley mit sich führt, unterstützt ihr Herz beim Pumpen, während sie auf ein Spenderorgan wartet. Dennoch muss sie ständig befürchten, dass sie die Wartezeit nicht überlebt.

Dreieinhalb Monate dauert es, bis sie am 8. Juni 2005 endlich die Nachricht erhält, dass ein Spenderherz gefunden wurde. Jetzt muss es schnell gehen. Das Herz wird noch am gleichen Tag transplantiert.

Auch wenn in der darauf folgenden Zeit nicht immer alles glatt läuft – es geht vorwärts. Chantal kann wieder am Leben teilnehmen und vor allem: Sport treiben. Ihre Lieblingssportart ist Hockey: Aktuell steht sie bei der Bundesliga-Mannschaft des Bremer HC im Tor. Daneben spielt sie Tennis und Golf, geht Skifahren und segeln.

Seit 2013 gewinnt sie regelmäßig Medaillen bei Sportveranstaltungen für Transplantierte. Ihre bisherige Bilanz im Jahr 2018: vier Goldmedaillen bei den Winter World Transplant Games, zwei Medaillen bei den European Transplant and Dialysis Games sowie vier Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften der Transplantierten und Dialysepatienten.

Chantal Bausch absolviert derzeit ein Masterstudium in Betriebswirtschaftslehre und sagt von sich selbst: „Ich habe mich entschieden, ganz bewusst glücklich zu leben.“ Und sie setzt sich als internationale Botschafterin für die Organspende ein. Denn sie möchte das Bewusstsein dafür wecken, wie schnell es passieren kann, dass man ein Spenderorgan benötigt. Und dass es jeden treffen kann. Ihr Wunsch: Dass die Menschen sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und ihre Entscheidung auf einem Organspendeausweis festhalten.

Elmar Sprink: Ironman mit Spenderherz

Elmar Sprink: Ironman mit Spenderherz. Foto: BRAUN media GmbH

Elmar Sprink ist Sportler. Rennrad, Marathon, Triathlon. Er lebt gesund, raucht nicht, lässt sich regelmäßig beim Arzt durchchecken.

Trotzdem spürt er im Frühjahr 2010, dass es mit seiner Leistungsfähigkeit bergab geht. Er schiebt es zuerst auf Stress bei der Arbeit. Bis er einen Herzstillstand erleidet. „Dass meine Frau zufällig zu Hause war, hat mir das Leben gerettet“, sagt Sprink. „Sie alarmierte unseren Nachbarn, einen Arzt, der mich reanimiert hat.“ In den nächsten Monaten hilft ihm ein Defibrillator, der seinem Herzen den Takt vorgibt und so einen erneuten Herzstillstand verhindert. Dennoch wird sein Herz immer schwächer. Warum das so ist, ist unklar. Aber klar ist: Das Herz zerstört sich langsam, aber sicher selbst. Die einzige Chance zu überleben: ein Spenderorgan. 

Anfang 2012 pumpt sein Herz nur noch mit neun Prozent der normalen Leistung. Jede Anstrengung wäre jetzt lebensbedrohlich. Eine künstliche Pumpe hält den Kreislauf aufrecht. Monatelang, während Elmar Sprink auf ein Spenderherz wartet und dabei immer schwächer und müder wird. Bis zum 9. Juni 2012. An diesem Tag erhält er am Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen ein neues Herz. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wird, hat er 189 Tage auf dem Rücken liegend im Bett verbracht. Er lernt erst das Sitzen, dann das Gehen wieder. Nach vier Wochen geht er erstmals 400 Meter am Stück. Am 9. Juli 2013 – auf den Tag genau ein Jahr nach der Transplantation – absolviert er wieder einen Triathlon. Und im Oktober 2014 ist er der erste herztransplantierte Sportler, der beim Ironman auf Hawaii ins Ziel läuft.  Bis heute hat er an über 80 Ausdauerevents teilgenommen. Darunter unter anderem vier Ironman-Wettkämpfe, neun Ironman 70.3, das Cape Epic, die BIKE Transalp, der Transalpine Run, der ZUT Ultra oder der Ötztaler Radmarathon. 

„Ohne mein Spenderherz wäre ich bereits über sechs Jahre tot“, sagt Elmar Sprink. „Ich bin sehr dankbar und genieße jeden geschenkten Tag. Meiner Meinung nach sollte jeder eine Entscheidung zum Thema Organspende treffen. Ob dafür oder dagegen. Entscheidend ist die Entscheidung!“

Helmke Sears: Den Krebs überlebt

Helmke Sears hat überlebt - dank Spenderorgan.

Als Helmke Sears 1995 erfährt, dass eine Transplantation ihre einzige Rettung sein könnte, hat sie schon einiges hinter sich: Teile des Dickdarms und der Leber waren aufgrund einer Krebserkrankung bereits entfernt worden. Auch alternative Krebstherapien, über die sich der Verlauf einer Krebserkrankung möglicherweise hätte positiv beeinflussen lassen, hat sie kennengelernt.

Doch der Krebs schreitet aggressiv voran: Nur ein halbes Jahr nach dem ersten Rückfall erlebt Helmke Sears den zweiten. Mit mehreren Lebermetastasen kommt sie ins Klinikum Großhadern.

Mindestens zwölf Tochtergeschwülste, kaum gesundes Gewebe - inoperabel. Die einzige Therapiemöglichkeit, eine lokale Chemotherapie, kann aufgrund einer anatomischen Variante der Leberschlagader nicht durchgeführt werden.

Einzige Chance damals: Eine Lebertransplantation. In Sears' Fall ein radikaler Therapieansatz. Die Zeit drängt. Mit jedem zusätzlichen Tag des Wartens könnten sich die Tumorknoten vergrößern, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Streuung in andere Organe. Doch Helmke Sears ist eine Kämpfernatur. Trotz Risiken entscheidet sie sich für den Eingriff. Sie möchte ihren beiden Kindern Jessica und Julian, damals sieben und fünf Jahre alt, noch möglichst lange eine Mutter sein.

Nach nur vier Wochen, am 28. Februar 1995 kurz vor Mitternacht, dann die erlösende Nachricht: Ein passendes Organ ist gefunden. Um 8:00 Uhr morgens erhält Helmke Sears unter Leitung von Prof. Dr. Karl-Walter Jauch und Dr. Matthias Anthuber eine neue Leber. Aber nicht nur das: Aufgrund der Tumorausbreitung müssen auch noch Teile der Bauchspeicheldrüse, des Magens, der gesamte Zwölffingerdarm und alle begleitenden Lymphknoten entfernt werden - ein ultraradikaler Eingriff über sieben Stunden, der am Ende gelingt.

Helmke Sears hat überlebt. Dank einer 46-jährigen Frau, die sich zu Lebzeiten für die Organspende ausgesprochen und die mit ihren Organen nicht nur Helmke Sears ein neues Leben geschenkt hat.

Stimmen zur Organspende
Melanie Huml, bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege.


"Wer selbst zu Lebzeiten eine selbstbestimmte Entscheidung trifft, entlastet seine Familie in schweren Stunden. Ein Organspendeausweis sorgt für Klarheit."

Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege

Jörg Wontorra unterstützt den Organspendelauf.

"Ich habe einen Organspendeausweis, weil ich durch mein Engagement die Chance sehe, das Leben einer anderen Person zu verlängern oder zu erneuern.

Innerhalb meiner Familie bin ich direkt betroffen, da die Tochter meiner Lebensgefährtin seit 13 Jahren ein transplantiertes Herz hat. Wenn ich sehe, mit wie viel Zuversicht und Optimismus sie ihr „zweites“Leben in Angriff nimmt, erfüllt mich das mit Glück und großer Dankbarkeit.

Darum ist es eine Selbstverständlichkeit für mich, auch meine gesunden Organe zur Verfügung zu stellen.“

Jörg Wontorra, TV-Moderator und Fernsehproduzent

Heiner Brand unterstützt den Organspendelauf.

"Wenn nicht wir, wer dann?“

Heiner Brand, Handball-Weltmeister, Ex-Handball-Nationalspieler & Bundestrainer

Stefan Kretzschmar unterstützt den Organspendelauf.

"Klare Kante, am Ende hilft nur Spende“

Stefan Kretzschmar, Ex-Handball-Nationalspieler

Organspendeausweis
Mit einem Organspendeausweis schaffen Sie Klarheit - für sich und Ihre Angehörigen.


Ein Organspendeausweis dient dazu, die eigene Entscheidung zum Thema Organspende festzuhalten. Möglich ist nicht nur die generelle Entscheidung für oder gegen eine Organspende, sondern auch die Eingrenzung einer Spende auf bestimmte Organe oder der Ausschluss einzelner Organe von einer Spende. Auch die Übertragung der Entscheidung auf eine andere Person ist möglich.

Mit der Unterschrift auf dem Ausweis ist die Entscheidung verbindlich; sie wird aber nirgends registriert. Das bedeutet: Die getroffene Entscheidung kann jederzeit geändert oder widerrufen werden, indem der entsprechende Ausweis vernichtet und durch einen neuen ersetzt wird.

Auch wenn ein Ausweis vorliegt, ist es ratsam, mit Personen im eigenen Umfeld über die eigene Entscheidung zu sprechen. Denn falls im Todesfall der Ausweis nicht auffindbar ist, müssen die Familienangehörigen anhand des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen entscheiden. Je besser diese also über die eigene Einstellung informiert sind, desto sicherer können sie im Sinne des Verstorbenen einer Organspende zustimmen oder diese ablehnen.

Woher bekomme ich einen Organspendeausweis?

Den Organspendeausweis können Sie sich

- ausdrucken und von Hand ausfüllen

- mit Eingabemaske erstellen und ausdrucken

- als Plastikkarte im Scheckkartenformat bestellen

Hier gibt es den Organspendeausweis in 28 Sprachen, außerdem weitere Informationen und Flyer zum Ausdrucken.

Organspende - Fragen und Antworten


Welche Organe können gespendet werden?

Mögliche Spenderorgane sind Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm.

Neben den Organen können auch Gewebe wie zum Beispiel die Augenhornhaut, Blutgefäße, Herzklappen oder Knochen gespendet werden. Die Gewebespende ist zwar weniger bekannt als die Organspende, erfolgt aber häufiger. Sie verursacht tendenziell weniger Komplikationen. Außerdem können Gewebe – im Unterschied zu Organen, die innerhalb weniger Stunden vom Spender zum Empfänger gelangen müssen – auch über Wochen oder sogar über Jahre gelagert werden, bevor sie transplantiert werden. 

Wer kann eine Organspende erhalten?

Eine Organtransplantation ist ein schwerwiegender Eingriff und kommt daher insbesondere bei lebensgefährlichen Krankheiten in Betracht. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Herz- oder Lebererkrankungen. Auch Krankheiten, die die Lebensqualität erheblich einschränken, zählen zu den Voraussetzungen für deine Organtransplantation. Beispielsweise ein Nierenversagen, das zur Folge hat, dass der Erkrankte mehrmals pro Woche für Stunden zur Dialyse muss.

Wer kann Organe spenden?

Jeder kann nach seinem Tod Organspender sein. Im Vorfeld ist keine ärztliche Untersuchung notwendig. Lediglich bei bestimmten Infektionen oder Krebserkrankungen ist eine Organspende ausgeschlossen.

Welche Altersgrenzen gibt es für Organspenden?

Ein Widerspruch gegen eine Organentnahme ist bereits ab dem 14. Geburtstag möglich. Ab dem 16. Geburtstag können Jugendliche für sich selbst entscheiden, Organspender zu sein.

Auch ältere Menschen können Organe spenden, denn für eine Transplantation ist nicht in erster Linie das Alter der Person entscheidend, sondern ihre allgemeine Gesundheit und der Zustand der Organe. Organe älterer Menschen werden gezielt an ältere Empfänger weitervermittelt und können diesen noch einige Jahre lang ein beinahe normales Leben ermöglichen.

Weitere Informationen


Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Thema Organspende:

Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zur Organspende
Alles rund um Organspende, Organspendeausweis und aktuelle Infokampagnen.

Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation koordiniert Organspenden in Deutschland und unterstützt Kliniken bei der Transplantation von Organen.

Eurotransplant
Die Stiftung Eurotransplant ist verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien. Die Zuteilung erfolgt ausschließlich nach medizinischen und ethischen Gesichtspunkten und in Zusammenarbeit mit Organspende-Organisationen, Transplantationszentren, Laboratorien und Krankenhäusern.

Junge Helden
Junge Helden ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der vom Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer, prominenter Unterstützer sowie privater Spenden getragen wird. Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene über Organspende aufzuklären, sie zu motivieren eine Entscheidung zu treffen und diese Angehörigen und Freunden mitzuteilen.