Organspende

Überlebt - dank Spenderorgan

Sven Keuchler: Sport gehört zum Leben

Sven und Finian Keuchler

Im September 2019 kann Sven Keuchler ein Jubiläum feiern: 25 Jahre lebt er dann mit seiner Spenderniere. „Eine so lange Zeit, und das ohne größere Probleme – das ist nicht selbstverständlich“, sagt er. „Ich bin jeden Tag dankbar dafür.“

Es beginnt 1992 mit einer Nierenentzündung. Als die Medikamente nicht mehr wirken, beginnt für ihn die Dialyse. Und das Warten auf eine Spenderniere. Er hat Glück – und zwar in doppelter Hinsicht: Schon nach 18 Monaten kommt der ersehnte Anruf. Noch dazu ist die Spenderniere erst einmal gar nicht für ihn gedacht. „Vor mir wurden schon zwei Patienten angerufen, die aber nicht erreichbar waren“, berichtet er.  Er geht ans Telefon – und bekommt die Niere.

Schon bald nach der Transplantation spürt er, wie seine Kraft zurückkommt. Die neue Niere nimmt ihre Arbeit auf, das Wasser, das sich in seinem Körper angesammelt hat, wird ausgeschieden. Bereits nach drei Wochen darf er das Krankenhaus verlassen.

Den Sport entdeckt er 15 Jahre später wieder für sich. „Als Jugendlicher war ich schon erfolgreich bei Leichtathletik-Wettkämpfen. Daher habe ich mich vor zehn Jahren für das Laufen entschieden“, erinnert er sich.  2017 nimmt er an der Deutschen Meisterschaft teil – und gewinnt vier Medaillen über verschiedene Laufstrecken. „Obwohl mein Training nur aus Läufen im Park bestand“, lacht Sven Keuchler. Und denkt sich: Da kann noch mehr gehen. Heute trainiert er im Team SPORT-FREIgang des früheren Langstreckenläufers Stephan Freigang und tritt bei Wettkämpfen für TransDia e. V. an. „Damit werben wir auch immer ein Stück für die Organspende“, so Sven Keuchler. Das ist ihm besonders wichtig, solange die Zahl der Organspenden in Deutschland auf einem so niedrigen Niveau liegt.

Sein Programm für 2019? „Im April laufe ich beim Berliner Halbmarathon – meine bisher größte Laufveranstaltung“, sagt Sven Keuchler. Darauf bereitet er sich schon intensiv vor. Ende Mai folgen die Deutschen Meisterschaften. Und vorher noch geht es nach München zum Organspendelauf. Mit familiärer Unterstützung: Sein zehnjähriger Sohn Finian geht zusammen mit ihm an den Start. 

Gebhard Neu: über 30 Jahre mit Spenderniere

Gebhard Neu

Schon mehr als die Hälfte seines Lebens lebt Gebhard Neu mit seiner Spenderniere. „Mit 24 Jahren wurde ich transplantiert. Heute bin ich 57“, erzählt er. Es sind verschiedene Faktoren, die Einfluss darauf haben, dass ein Spenderorgan so viele Jahre seinen Dienst tut. Nur wenige davon hat ein Organempfänger selbst in der Hand. Einer davon ist Bewegung.

Dafür hat Gebhard Neu immer gesorgt. In seiner Jugend betreibt er Leichtathletik und Badminton, ist fünfmal pro Woche sportlich aktiv. Dann wird bei einer Routineuntersuchung eine chronische Nierenentzündung diagnostiziert. Seine Leistungsfähigkeit nimmt über die Jahre kontinuierlich ab, bis er im Alter von 23 Jahren zur Dialyse muss. „Das stellt das ganze Leben auf den Kopf“, erinnert er sich. Zu den Einschränkungen beim Essen und bei der Trinkmenge kommt die körperliche Schwäche. Denn auch wenn die Dialyse ihm erst einmal das Leben rettet, kann sie die Funktion der Nieren doch nicht vollständig ersetzen.

Nach dreizehn Monaten dann der Anruf: Eine Spenderniere ist gefunden. Diese beginnt auch direkt nach der Transplantation in der Uniklinik Freiburg zu arbeiten. Gebhard Neu merkt schnell, dass seine Energie zurückkehrt. Über einen Mitpatienten erfährt er von TransDia e. V., einem Sportverein für Transplantierte und Dialysepatienten. Und er wird aktiv: Schon im Jahr nach seiner Transplantation nimmt er erstmals an den Deutschen Meisterschaften teil. Bis heute ist er jedes Jahr dabei. Neben der Bewegung ist ihm die Begegnung mit anderen transplantierten Sportlern wichtig. „Man tauscht sich aus und bleibt immer auf den neuesten Stand“, betont er. Und noch etwas beeindruckt ihn: „Die Lebensfreude ist wie ein roter Faden. Wir haben durch die Organspende unser Leben zurückgewonnen.“

Daher freut er sich auch auf den Organspendelauf und auf das Wiedersehen mit befreundeten Sportlern. Davor steht aber noch ein anderer Termin: Am 15. März sind es auf den Tag genau 34 Jahre, dass er seine Spenderniere erhalten hat. Wie jedes Jahr zündet er an diesem Tag eine Kerze an für den Organspender und dessen Familie. Aus Dankbarkeit für sein neues Leben.

Reiner Heske: mit Spenderlunge beim Köln-Marathon

Reiner Heske
Bild: Achim Belo

Reiner Heske hat Mukoviszidose. Das wissen er und seine Eltern, seit er vier Jahre alt ist. Dennoch wächst er so normal auf, wie es die Krankheit zulässt. Auch die Zyste an der Bauchspeicheldrüse, die 2012 entfernt wird, ist eigentlich harmlos. Nach der Operation jedoch gibt es Komplikationen mit dem Gallengang und dem Darm. Weitere Operationen folgen – insgesamt sind es drei innerhalb von sechs Wochen. Danach scheint er sich zuerst gut zu erholen. Bis Ende 2012: Zwei Lungenentzündungen hintereinander schwächen die Lungenfunktion so sehr, dass er dauerhaft Sauerstoff benötigt. „Sobald ich den Schlauch nur kurz entfernt habe, wurden direkt die Finger blau“, erinnert er sich. Zu dem Zeitpunkt steht fest: Die Lunge wird sich nicht mehr erholen. Nur mit einer Spenderlunge kann er überleben.

Schon nach wenigen Wochen auf der Warteliste findet sich ein passendes Organ. Und drei Tage nach der Transplantation sitzt er bereits auf dem Ergometer. „Ich habe versucht, mich direkt zu bewegen. Die Lunge musste ja belüftet werden“, erklärt er. In der Reha beginnt er mit Walking. „Ich hatte einen riesigen Bewegungsdrang. Das waren anfangs vielleicht 100 oder 150 Meter – aber für mich ein totales Highlight“, sagt Reiner Heske. Bald werden die Strecken länger und der Schritt schneller. Ab Januar 2014 baut er einzelne Laufintervalle in seine Walking-Runden ein und steigert sich dann schnell so weit, dass er seine Runden durchlaufen kann. Und schon im April 2014 startet er zum ersten Mal bei einem Zehn-Kilometer-Lauf.

Aber er läuft nicht einfach nur. Sondern er möchte von Anfang an auch Aufmerksamkeit schaffen für Mukoviszidose und für Organspende. Und er möchte Menschen mit seiner Geschichte überzeugen.

Auf die zehn Kilometer folgen mehrere Halbmarathon-Läufe. Und so langsam entwickelt sich die Idee, einen Marathon zu laufen. Am 1. Oktober 2017 ist es soweit: Beim Köln-Marathon läuft Reiner Heske nach vier Stunden, elf Minuten und 23 Sekunden ins Ziel – wie bei jedem seiner Läufe im orangefarbenen Shirt mit der Aufschrift „Organspende rettet Leben“.

Henning Brockfeld: Jeder kann ein Held werden

Henning Brockfeld
Bild: Sonja Zahnberg

Es ist eine Routineuntersuchung: 2007 plant Henning Brockfeld, für seinen Arbeitgeber längere Zeit ins Ausland zu gehen. Vorher wird er auf Herz und Nieren geprüft. „Oder in meinem Fall: auf Herz und Leber“, sagt er. Denn bei der Untersuchung stellt sich heraus: Der damals 41-Jährige leidet an einer Primär Sklerosierenden Cholangitis (PSC). Eine Autoimmunerkrankung, bei der die Gallengänge entzündlich auf die eigene Galle reagieren und damit langfristig Vernarbungen, Gallenrückstau und schließlich Leberzirrhose verursachen. Im Schnitt ist die Leber zehn Jahre nach der Diagnose so geschädigt, dass eine Transplantation notwendig wird. Der Schreck sitzt tief. Dennoch wagt er zusammen mit seiner Familie den Schritt ins Ausland und führt ein normales Leben – soweit seine Krankheit dies zulässt.

Doch ab 2014 verschlechtert sich sein Gesundheitszustand, er muss häufiger ins Krankenhaus. Bis dann im Juli 2017 feststeht: Eine Organspende ist seine einzige Chance. Die erste Transplantation bleibt ohne Erfolg, die neue Leber arbeitet nicht. Es dauert fünf Tage, bis erneut ein Organ zur Verfügung steht. „Was einem vor dem Eingriff durch den Kopf geht, lässt sich nicht beschreiben“, erklärt Henning Brockfeld. Unglaublich erleichtert sei er gewesen, gleichzeitig aber habe er innerlich mit allem abgeschlossen. Beim zweiten Anlauf klappt alles: Die neue Leber funktioniert.

Nach 20 Tagen im Klinikbett muss er wieder lernen aufzustehen, erste Schritte zu gehen. Doch schon in der Reha-Klinik und vor allem später zu Hause fällt ihm die Bewegung immer leichter. Bis heute ist Sport ein wichtiger Teil seines Lebens: „Ich bin froh um jeden Kilometer, den ich laufen kann“, sagt er. Seit März 2018 ist er wieder berufstätig, reist viel und genießt sein neues Leben, das für ihn „ein wahnsinniges Geschenk“ ist. Er ist allen dankbar, die das ermöglicht haben: dem Spender, den Ärzten, dem Pflegepersonal.

Seine Botschaft? „Um ein Held zu werden, muss man nicht bei der Feuerwehr oder beim Rettungsdienst sein. Das geht viel einfacher: Mit einem Organspendeausweis kann jeder Leben retten.“

Sandra Zumpfe: Ich möchte Mut machen

Sandra Zumpfe

Herzfehler, Spenderherz, Nierenversagen, Dialyse, erneute Transplantation: Sandra Zumpfe hat schon vieles mitgemacht. Doch die 40-Jährige schreibt auf ihrem Blog 2herzen1körper: „Ich bin hier, weil ich Mut machen möchte!“

Sie ist acht Jahre alt, als bei ihr eine vererbbare Herzkrankheit festgestellt wird: Ihr Herzmuskel ist verdickt. Ab diesem Zeitpunkt muss sie täglich Medikamente einnehmen und darf keinen Sport mehr treiben. Ansonsten aber führt sie ein normales Leben und macht sich kaum Gedanken um ihre Gesundheit.

Erst Jahre später, mit 33, wird sie auch im Alltag immer kurzatmiger. Der Arzt diagnostiziert Herzrhythmusstörungen. Nach mehreren Klinikaufenthalten steht im Februar 2012 fest: Das Herz ist so stark geschädigt, dass Sandra Zumpfe eine Transplantation benötigt. Sie lässt sich auf die Warteliste setzen und erhält im März 2013 im Klinikum Großhadern ein Spenderherz.

Leider verläuft die Operation nicht ohne Komplikationen: Acht Wochen liegt sie danach im Koma. Erst nach der Verlegung in eine neurologische Klinik kommt sie wieder zu sich. Ab diesem Zeitpunkt geht es bergauf – wenn auch mit Rückschlägen. So sind etwa die Nieren durch die starken Medikamente und die lange Zeit an der Herz-Lungen-Maschine so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sie dreimal pro Woche zur Dialyse muss. Das belastet den Körper zusätzlich: Sie hat Kopfschmerzen, ist häufig erschöpft und kann trotzdem nicht schlafen. Dazu kommt, dass der Shunt – die Verbindung zweier Blutgefäße, die für die Dialyse notwendig ist – immer wieder verstopft, was wiederholte Operationen notwendig macht. Schließlich entschließt sich ihr Mann dazu, ihr eine seiner Nieren zu spenden.

Im August 2017 wird die Niere transplantiert. Auch hier gibt es Probleme, denn ihr Körper stößt die neue Niere zunächst ab. Mittlerweile jedoch geht es ihr und auch ihrem Mann gut. Gemeinsam engagieren sie sich im Bundesverband der Organtransplantierten, weil sie dazu beitragen möchten, dass sich mehr Menschen mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. Und auch beim Organspendelauf sind sie dabei – gemeinsam mit ihren Freunden als Team „2herzen1körper“.

Hermann Anwander: Spenderniere vom Bruder

Hermann Anwander

Im Frühjahr 2012 sagen die Ärzte Hermann Anwander voraus, dass er das kommende Weihnachtsfest wohl nicht mehr erleben wird. Zu diesem Zeitpunkt hat der damals 61-Jährige schon vieles hinter sich: Seit seinem 30. Lebensjahr leidet er an Zystennieren, später kommen Nierensteine hinzu. Er kann seinen Beruf als Polizeibeamter erst nur noch eingeschränkt, dann gar nicht mehr ausüben. Mit 58 Jahren wird er pensioniert. Und seit einem Jahr muss er viermal pro Woche zur Dialyse. Aber auch die zeigt immer weniger Wirkung. Er ist ständig müde, schläft bei jeder Gelegenheit ein. Zwischen den Dialyseterminen liegt er nur noch zu Hause im Bett. Seine einzige Chance wäre eine Transplantation. Doch es gibt nur wenig Hoffnung auf ein Spenderorgan.

Und dann eines Tages ein Anruf, der ihn sprachlos macht. Josef, sein ältester Bruder, teilt ihm mit: „Ich habe mit meiner Frau und meiner Familie gesprochen. Ich spende dir eine Niere.“ Schon kurze Zeit später steht fest: Die Niere seines Bruders eignet sich als Spenderorgan. Am 27. September 2012 erfolgt die Transplantation im Klinikum rechts der Isar in München. Schon während der Operation nimmt die neue Niere ihre Funktion auf. Vier Stunden später liegen die beiden Brüder wieder gemeinsam im Krankenzimmer, und Josef Anwander fällt sofort die gesunde Gesichtsfarbe seines Bruders auf. Ab jetzt geht es nur noch aufwärts: Die Nierenwerte bessern sich, und Hermann Anwander kehrt Schritt für Schritt ins Leben zurück.

Und heute, sechs Jahre nach der Transplantation? Hermann Anwander fühlt sich fit und genießt sein Leben. Er ist viel unterwegs, wandert, fährt Fahrrad, geht mit seinem Dackel in den Wald, um Pilze zu suchen. Sein Hobby ist die Kleintierzucht: Kaninchen, Hühner und Ziergeflügel. Und er kocht gerne für seine Frau – und für seine Enkelkinder, die er ohne die Transplantation gar nicht mehr erlebt hätte.

Auch seinem Bruder geht es gut. Hermann Anwander unternimmt vieles mit ihm zusammen und ist dankbar für seine Entscheidung, die ihm das Leben gerettet hat: „Josef hat mir mit seiner Spende ein aktives und lebenswertes Leben ermöglicht. Ich kann ihm gar nicht genug danken.“

Miriam Maertens: Auf den Körper hören

Buchcover Miriam Maertens: Verschieben wir es auf morgen

Eine Lungentransplantation? Für Miriam Maertens lange Zeit unvorstellbar. Zu endgültig wäre diese Entscheidung. Sie schiebt sie immer wieder weg – bis es nicht mehr anders geht.

Miriam Maertens hat Mukoviszidose. Eine angeborene Stoffwechselerkrankung, die unter anderem dazu führt, dass zäher Schleim die Atemwege verstopft. Als die Krankheit bei der damals Einjährigen diagnostiziert wird, schätzen die Ärzte ihre Lebenserwartung auf fünf Jahre. Doch die Eltern tun alles für die Gesundheit ihrer Tochter. In der Hoffnung, dass sie vielleicht doch länger lebt. Und Miriam selbst möchte nie „die Kranke“ sein. Sie mag das Mitleid und die Fragen nach ihrem Gesundheitszustand nicht. Das tägliche Abklopfen ist ihr vor den anderen Kindern unangenehm – deshalb verheimlicht sie es. Und lebt so normal wie möglich, anstatt den Rat der Ärzte zu befolgen und sich zu schonen. Heute weiß sie: Sie hat instinktiv genau das Richtige getan. Denn die Aktivität tut ihrer Lunge gut.

Als Miriam elf Jahre alt ist, liest ihre Mutter von einer neuartigen speziellen Mukoviszidose-Therapie, die zwei Ärzte am Dr. von Haunerschen Kinderspital entwickelt haben. Die Eltern fahren mit ihrer Tochter nach München. Und tatsächlich bessert sich durch die Behandlung bei Karsten Harms und Rosemarie Bertele ihr Zustand. Mit 16 Jahren beginnt sie eine Schauspielausbildung – trotz der schlechten Luft, die auf Theaterbühnen herrscht. Doch sie möchte es unbedingt. Und verschweigt auch hier ihre Krankheit: Sie inhaliert heimlich in der Garderobe – vor dem Auftritt und in den Pausen. Und: Sie bekommt ein Kind. Entgegen jedem ärztlichen Rat.

Irgendwann aber macht ihr Körper nicht mehr mit. Sie bekommt keine Luft mehr, ist ständig auf Sauerstoff angewiesen. Erst jetzt ist sie bereit, sich auf die Warteliste für ein Spenderorgan setzen zu lassen. Heute hat sie eine Spenderlunge, fühlt sich gesund und ist Mitglied des Ensembles am Schauspielhaus Zürich. Ihr Buch „Verschieben wir es auf morgen“ soll Mut machen. Miriam Maertens Botschaft: „Es ist wichtig, auf sich selbst, auf seinen Körper zu hören und die Signale wahrzunehmen.“

Chantal Bausch: Es kann jeden treffen

Chantal Bausch

Chantal Bausch ist zwölf Jahre alt, als sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen ändert: Das sportliche Mädchen bekommt beim Treppensteigen keine Luft mehr. Ihre Mutter bringt sie noch am gleichen Tag zum Kardiologen. Und rettet damit ihr Leben. Denn Chantal ist an einer Herzmuskel-entzündung erkrankt, ihr Herz ist irreparabel geschädigt. Nach neun Monaten in der Klinik steht fest: Nur eine Transplantation kann ihr helfen.

Ein Kunstherz, das sie wie einen Einkaufstrolley mit sich führt, unterstützt ihr Herz beim Pumpen, während sie auf ein Spenderorgan wartet. Dennoch muss sie ständig befürchten, dass sie die Wartezeit nicht überlebt.

Dreieinhalb Monate dauert es, bis sie am 8. Juni 2005 endlich die Nachricht erhält, dass ein Spenderherz gefunden wurde. Jetzt muss es schnell gehen. Das Herz wird noch am gleichen Tag transplantiert.

Auch wenn in der darauf folgenden Zeit nicht immer alles glatt läuft – es geht vorwärts. Chantal kann wieder am Leben teilnehmen und vor allem: Sport treiben. Ihre Lieblingssportart ist Hockey: Aktuell steht sie bei der Bundesliga-Mannschaft des Bremer HC im Tor. Daneben spielt sie Tennis und Golf, geht Skifahren und segeln.

Seit 2013 gewinnt sie regelmäßig Medaillen bei Sportveranstaltungen für Transplantierte. Ihre bisherige Bilanz im Jahr 2018: vier Goldmedaillen bei den Winter World Transplant Games, zwei Medaillen bei den European Transplant and Dialysis Games sowie vier Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften der Transplantierten und Dialysepatienten.

Chantal Bausch absolviert derzeit ein Masterstudium in Betriebswirtschaftslehre und sagt von sich selbst: „Ich habe mich entschieden, ganz bewusst glücklich zu leben.“ Und sie setzt sich als internationale Botschafterin für die Organspende ein. Denn sie möchte das Bewusstsein dafür wecken, wie schnell es passieren kann, dass man ein Spenderorgan benötigt. Und dass es jeden treffen kann. Ihr Wunsch: Dass die Menschen sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und ihre Entscheidung auf einem Organspendeausweis festhalten.

Elmar Sprink: Ironman mit Spenderherz

Elmar Sprink: Ironman mit Spenderherz. Foto: BRAUN media GmbH

Elmar Sprink ist Sportler. Rennrad, Marathon, Triathlon. Er lebt gesund, raucht nicht, lässt sich regelmäßig beim Arzt durchchecken.

Trotzdem spürt er im Frühjahr 2010, dass es mit seiner Leistungsfähigkeit bergab geht. Er schiebt es zuerst auf Stress bei der Arbeit. Bis er einen Herzstillstand erleidet. „Dass meine Frau zufällig zu Hause war, hat mir das Leben gerettet“, sagt Sprink. „Sie alarmierte unseren Nachbarn, einen Arzt, der mich reanimiert hat.“ In den nächsten Monaten hilft ihm ein Defibrillator, der seinem Herzen den Takt vorgibt und so einen erneuten Herzstillstand verhindert. Dennoch wird sein Herz immer schwächer. Warum das so ist, ist unklar. Aber klar ist: Das Herz zerstört sich langsam, aber sicher selbst. Die einzige Chance zu überleben: ein Spenderorgan. 

Anfang 2012 pumpt sein Herz nur noch mit neun Prozent der normalen Leistung. Jede Anstrengung wäre jetzt lebensbedrohlich. Eine künstliche Pumpe hält den Kreislauf aufrecht. Monatelang, während Elmar Sprink auf ein Spenderherz wartet und dabei immer schwächer und müder wird. Bis zum 9. Juni 2012. An diesem Tag erhält er am Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen ein neues Herz. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wird, hat er 189 Tage auf dem Rücken liegend im Bett verbracht. Er lernt erst das Sitzen, dann das Gehen wieder. Nach vier Wochen geht er erstmals 400 Meter am Stück. Am 9. Juli 2013 – auf den Tag genau ein Jahr nach der Transplantation – absolviert er wieder einen Triathlon. Und im Oktober 2014 ist er der erste herztransplantierte Sportler, der beim Ironman auf Hawaii ins Ziel läuft.  Bis heute hat er an über 80 Ausdauerevents teilgenommen. Darunter unter anderem vier Ironman-Wettkämpfe, neun Ironman 70.3, das Cape Epic, die BIKE Transalp, der Transalpine Run, der ZUT Ultra oder der Ötztaler Radmarathon. 

„Ohne mein Spenderherz wäre ich bereits über sechs Jahre tot“, sagt Elmar Sprink. „Ich bin sehr dankbar und genieße jeden geschenkten Tag. Meiner Meinung nach sollte jeder eine Entscheidung zum Thema Organspende treffen. Ob dafür oder dagegen. Entscheidend ist die Entscheidung!“

Helmke Sears: Den Krebs überlebt

Helmke Sears hat überlebt - dank Spenderorgan.

Als Helmke Sears 1995 erfährt, dass eine Transplantation ihre einzige Rettung sein könnte, hat sie schon einiges hinter sich: Teile des Dickdarms und der Leber waren aufgrund einer Krebserkrankung bereits entfernt worden. Auch alternative Krebstherapien, über die sich der Verlauf einer Krebserkrankung möglicherweise hätte positiv beeinflussen lassen, hat sie kennengelernt.

Doch der Krebs schreitet aggressiv voran: Nur ein halbes Jahr nach dem ersten Rückfall erlebt Helmke Sears den zweiten. Mit mehreren Lebermetastasen kommt sie ins Klinikum Großhadern.

Mindestens zwölf Tochtergeschwülste, kaum gesundes Gewebe - inoperabel. Die einzige Therapiemöglichkeit, eine lokale Chemotherapie, kann aufgrund einer anatomischen Variante der Leberschlagader nicht durchgeführt werden.

Einzige Chance damals: Eine Lebertransplantation. In Sears' Fall ein radikaler Therapieansatz. Die Zeit drängt. Mit jedem zusätzlichen Tag des Wartens könnten sich die Tumorknoten vergrößern, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Streuung in andere Organe. Doch Helmke Sears ist eine Kämpfernatur. Trotz Risiken entscheidet sie sich für den Eingriff. Sie möchte ihren beiden Kindern Jessica und Julian, damals sieben und fünf Jahre alt, noch möglichst lange eine Mutter sein.

Nach nur vier Wochen, am 28. Februar 1995 kurz vor Mitternacht, dann die erlösende Nachricht: Ein passendes Organ ist gefunden. Um 8:00 Uhr morgens erhält Helmke Sears unter Leitung von Prof. Dr. Karl-Walter Jauch und Dr. Matthias Anthuber eine neue Leber. Aber nicht nur das: Aufgrund der Tumorausbreitung müssen auch noch Teile der Bauchspeicheldrüse, des Magens, der gesamte Zwölffingerdarm und alle begleitenden Lymphknoten entfernt werden - ein ultraradikaler Eingriff über sieben Stunden, der am Ende gelingt.

Helmke Sears hat überlebt. Dank einer 46-jährigen Frau, die sich zu Lebzeiten für die Organspende ausgesprochen und die mit ihren Organen nicht nur Helmke Sears ein neues Leben geschenkt hat.

Organspendeausweis
Mit einem Organspendeausweis schaffen Sie Klarheit - für sich und Ihre Angehörigen.


Ein Organspendeausweis dient dazu, die eigene Entscheidung zum Thema Organspende festzuhalten. Möglich ist nicht nur die generelle Entscheidung für oder gegen eine Organspende, sondern auch die Eingrenzung einer Spende auf bestimmte Organe oder der Ausschluss einzelner Organe von einer Spende. Auch die Übertragung der Entscheidung auf eine andere Person ist möglich.

Mit der Unterschrift auf dem Ausweis ist die Entscheidung verbindlich; sie wird aber nirgends registriert. Das bedeutet: Die getroffene Entscheidung kann jederzeit geändert oder widerrufen werden, indem der entsprechende Ausweis vernichtet und durch einen neuen ersetzt wird.

Auch wenn ein Ausweis vorliegt, ist es ratsam, mit Personen im eigenen Umfeld über die eigene Entscheidung zu sprechen. Denn falls im Todesfall der Ausweis nicht auffindbar ist, müssen die Familienangehörigen anhand des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen entscheiden. Je besser diese also über die eigene Einstellung informiert sind, desto sicherer können sie im Sinne des Verstorbenen einer Organspende zustimmen oder diese ablehnen.

Woher bekomme ich einen Organspendeausweis?

Den Organspendeausweis können Sie sich

- ausdrucken und von Hand ausfüllen

- mit Eingabemaske erstellen und ausdrucken

- als Plastikkarte im Scheckkartenformat bestellen

Hier gibt es den Organspendeausweis in 28 Sprachen, außerdem weitere Informationen und Flyer zum Ausdrucken.

Organspende - Fragen und Antworten


Welche Organe können gespendet werden?

Mögliche Spenderorgane sind Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm.

Neben den Organen können auch Gewebe wie zum Beispiel die Augenhornhaut, Blutgefäße, Herzklappen oder Knochen gespendet werden. Die Gewebespende ist zwar weniger bekannt als die Organspende, erfolgt aber häufiger. Sie verursacht tendenziell weniger Komplikationen. Außerdem können Gewebe – im Unterschied zu Organen, die innerhalb weniger Stunden vom Spender zum Empfänger gelangen müssen – auch über Wochen oder sogar über Jahre gelagert werden, bevor sie transplantiert werden. 

Wer kann eine Organspende erhalten?

Eine Organtransplantation ist ein schwerwiegender Eingriff und kommt daher insbesondere bei lebensgefährlichen Krankheiten in Betracht. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Herz- oder Lebererkrankungen. Auch Krankheiten, die die Lebensqualität erheblich einschränken, zählen zu den Voraussetzungen für deine Organtransplantation. Beispielsweise ein Nierenversagen, das zur Folge hat, dass der Erkrankte mehrmals pro Woche für Stunden zur Dialyse muss.

Wer kann Organe spenden?

Jeder kann nach seinem Tod Organspender sein. Im Vorfeld ist keine ärztliche Untersuchung notwendig. Lediglich bei bestimmten Infektionen oder Krebserkrankungen ist eine Organspende ausgeschlossen.

Welche Altersgrenzen gibt es für Organspenden?

Ein Widerspruch gegen eine Organentnahme ist bereits ab dem 14. Geburtstag möglich. Ab dem 16. Geburtstag können Jugendliche für sich selbst entscheiden, Organspender zu sein.

Auch ältere Menschen können Organe spenden, denn für eine Transplantation ist nicht in erster Linie das Alter der Person entscheidend, sondern ihre allgemeine Gesundheit und der Zustand der Organe. Organe älterer Menschen werden gezielt an ältere Empfänger weitervermittelt und können diesen noch einige Jahre lang ein beinahe normales Leben ermöglichen.

Weitere Informationen


Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Thema Organspende:

Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zur Organspende
Alles rund um Organspende, Organspendeausweis und aktuelle Infokampagnen.

Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation koordiniert Organspenden in Deutschland und unterstützt Kliniken bei der Transplantation von Organen.

Eurotransplant
Die Stiftung Eurotransplant ist verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien. Die Zuteilung erfolgt ausschließlich nach medizinischen und ethischen Gesichtspunkten und in Zusammenarbeit mit Organspende-Organisationen, Transplantationszentren, Laboratorien und Krankenhäusern.

Junge Helden
Junge Helden ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der vom Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer, prominenter Unterstützer sowie privater Spenden getragen wird. Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene über Organspende aufzuklären, sie zu motivieren eine Entscheidung zu treffen und diese Angehörigen und Freunden mitzuteilen.